Gerade eben hat sich wieder eine Freundin bei mir entschuldigt. Nicht, weil sie einen Fehler gemacht hat, sondern, weil sie lieber Texte schreibt anstatt zu sprechen. Weil sie es liebt mit Worten Texte zu formulieren, aber das sprechen gerne vermeidet.

Sie erinnerte mich damit so sehr an mich selbst. Denn auch ich bin lieber die Person, die zuhört. Sich auf das Gespräch konzentriert und das Gegenüber erzählen lässt.

Und genauso wie sie habe ich mich seit ich sprechen kann dafür entschuldigt, dass ich nicht gerne spreche.

 


Laut und stark!

Das ist in unserer Gesellschaft das Zeichen dafür, dass ein Mensch etwas ist. Denn wer laut ist fällt auf und wird gehört.

Jedenfalls ist so die allgemeine Meinung.

Ich bin das nicht. Ich bin nicht laut und stark bin ich auch nicht. Also von der Muskelkraft her 😉

Viele bezeichnen mich deswegen als zart und unauffällig. So gut wie jeder spricht beides nicht im positiven aus und findet eher, dass ich „doch mal lauter werden muss!“

Ich habe so oft das Gefühl durch meine leise Art falle ich mehr auf, als wenn ich mit der Masse schreien würde. Jedenfalls bin ich schon seit ich geboren wurde darauf aufmerksam gemacht worden, dass meine leise Art doch ein Fehler ist:

  • Meine entfernte Verwandschaft wollte mich regelmäßig zum Psychologen schicken, weil „die so leise spricht und nicht viel erzählt“.

  • Meine Lehrerin kam in der Realschule auf die glorreiche Idee mich im Klassenraum zu lassen mit allen anderen Schülern und sie ging raus auf den Flur. Ich sollte so laut schreien, dass sie mich hört. Vor allen. Sowas tut einem Kind echt gut ..

Das alles hat nicht etwas aufgehört, nein, gerade mit meiner Selbstständigkeit wurde mir immer wieder gesagt, dass ich scheitern werde und niemals Erfolg haben werde, wenn ich weiterhin so ruhig bin.

Irgendwann fing ich dann an mich dafür zu entschuldigen, dass ich nicht gerne spreche oder über mich erzähle. Taten es doch so viele Menschen gerne. Denn Menschen erzählen mir gerne ihre gesamte Lebensgeschichte – im Zug – nachdem wir uns gerade kennengelernt haben, als die Person sich neben mich setze und mich anstarrte.

Es passiert immer wieder, dass mir Menschen so vieles erzählen, was ich manchmal gar nicht wissen will. Dann erwarten sie auch das gleiche von mir.

Manchen erzähle ich es. Wenigen.

Denn eines kann ich sehr gut: Menschen einschätzen. Dadurch, dass ich Gespräche und Menschen immer eher beobachtet habe und verdammt viele Geschichten gehört habe, achte ich auf vieles in Gesprächen.

Deswegen merke ich auch sehr schnell, wenn das Gespräch nur den Sinn hat, dass die Person gegenüber mir ihren Müll und Ballast aufladen will, sich aber null für mich als Menschen interessiert. Und dann gehe ich sofort in eine Abwehrhaltung und mag gar nichts mehr erzählen.

Es interessiert sie sowieso nicht. Eine Erkenntnis, die mir früher oft weh getan hat, aber mittlerweile weiß ich, dass viele einfach gerne zeigen wie groß doch ihre Probleme sind und wie schlimm. Das ist teilweise schon wie ein Wettbewerb geworden.

 

 


Bist du leise, zart, zurückhaltend und ruhig?

Wenn du es bist, dann finde ich das wundervoll. Denn bei den Menschen, die ebenfalls so sind entdecke ich immer wieder so schöne Dinge. Sie haben Geschichten erlebt, die mich inspirieren und mir immer wieder Mut geben.

Sie erzählen sie nicht oft und gerne. Manchmal schämen sie sich sogar dafür, wenn sie Schicksalschläge hatten und ihr Leben nicht gerade verlief.

Aber genau diese Menschen, die so ruhig sind strahlen sehr viel aus. Sie sind auch in vielen Fällen mehr auf positive Sichtweisen im Leben fokussiert.

Mit diesen Menschen spreche ich gerne. Ok, häufiger schreibe ich mit ihnen. Denn das macht uns noch mehr Spaß. Schreiben und dadurch mit den Worten tiefgehende Sätze und Texte formulieren.

Denn ja, wir sprechen nicht immer gerne. Mich strengt es sogar an manchen Tagen extrem an mich nur zu unterhalten. Ich hasse auch telefonieren, weswegen man mich so gut wie nie erreicht.

Aber das Schreiben. Das fasziniert mich seit ich es kann. Ich habe auch immer gerne geschrieben. Meine Deutschlehrer waren immer überrascht, was alles aus meinem Kopf auf ein Blatt Papier gewandert ist. Vielleicht waren das die Grundsteine für das Bloggen …

Wir werden als Introvertierte oder Schüchterne Menschen bezeichnet. Vielleicht sind wir aber einfach auch tiefer in unseren eigenen Gedanken drin und sehen in der Welt ganz andere Dinge. In meinem Kopf lebt eine fröhliche und bunte Welt, die ich gerne mit Menschen teile, die selbst einen solchen Kopf haben. Ich liebe es mich in tiefgehenden Gesprächen und Texten zu verlieren.

Ich mag es nur nicht oberflächige Smalltalks zu halten, die mich nicht irgendwohin bringen. Es strengt mich einfach an.

 


Auch als leise Person kannst du auffallen. Wie oben schon erwähnt bin ich genau dadurch eher aufgefallen, als die einzelnen Personen in der starken Masse.

Viele Menschen fühlen sich sehr wohl bei mir und geniessen es, wenn ich diese Ruhe ausstrahle und sie wirklich sie selbst sein können.

Ebenfalls vermissen viele gute Zuhörer. Wenn du also einer bist, wer weiß vielleicht können wir das irgendwann anderen beibringen. Es gibt ja schon Seminare dazu… 😉

Mir hat es geholfen zu sehen, dass ich nicht alleine bin. Dass auch viele andere ruhige Menschen sind, die nicht ständig schreiend in der Masse stehen, sondern lieber zurückgezogener leben.

Was denkst du über das Thema? Schreib es mir in die Kommentare. 🙂