Das wird heute ein sehr persönlicher Text. Doch es wird Zeit, dass ich genau diese Angst vor dem Scheitern meines Business angehe und das funktioniert bei mir am besten, wenn ich darüber schreibe.

Dich möchte ich in meine Gedanken mit hineinnehmen. Vielleicht ist es auch für dich wertvoll und du kannst etwas davon mitnehmen.


„An was zweifelst du?“ – An mir selbst. 

Gerade stellte mir eine meiner Kundinnen diese Frage. Wir sprachen über Selbstzweifel und ich sagte ihr offen, dass diese auch mich oft aufsuchen. Dann kam die Frage, die mich in die Ecke drängte: „Aber du bekommst doch so viele positive Rückmeldungen. An was zweifelst du? Das Konzept und deine Art, mit deinen Kundinnen umzugehen, dürfte es eigentlich nicht sein.“

 

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Sie hat mich damit gerade eben erwischt. Ich spürte, dass ich diesmal nicht vor der Antwort weglaufen darf. Ich muss mich dieser Angst endlich stellen.

Die Antwort kam direkt in mir hoch und ich schrieb sie hin: „An mir.“

Es war gerade eben so, als würde ich endlich eine Tür öffnen, die ich seit langer Zeit geschlossen halte. Um mich zu schützen vor den negativen Gefühlen. Weißt du was ich meine?

Es ist an der Zeit die Tür zu öffnen und diesen Raum genauer anzusehen. Gehst du mit mir?

 


Der Tag, der alles veränderte …

Dazu habe ich sogar mal einen Blogartikel geschrieben. Das ist lange her. Ich habe ihn wohl gelöscht, denn seit einigen Wochen suche ich ihn überall in meinen Daten. Er ist weg. Als ich ihn geschrieben habe, da meldete sich eine Dame vom WDR. Sie wollten nur wegen diesem einen Artikel ein Interview mit mir. Zum Glück kam es nicht Zustande, denn ich war absolut nicht bereit dafür. Ich denke das ist jetzt schon 3-4 Jahre her?

Ich löschte daraufhin diesen Artikel und schloss damit wohl eine Tür.

In meiner Story habe ich darüber zwar geschrieben, doch so richtig möchte ich es nicht mehr ansehen: Die Zeit, in der mein Business gar nicht gut lief.

Ich bin vor über 10 Jahren als Grafikdesignerin in die Selbstständigkeit gestartet. Es lief gut, ich tat alles dafür, damit es so gut lief. Selbst und ständig war ich wirklich. Doch ich liebte es mein Business aufzubauen, Kunden zu betreuen und mein „Ding“ zu machen. Ich liebte es Unternehmerin zu sein. Es war trotzdem zu viel 😀 Das würde ich heute niemals mehr so machen. Denn ich arbeitete oft den ganzen Tag und legte noch Nachtschichten ein. Damals funktionierte das irgendwie. Heute will ich das gar nicht mehr.

Dann kam der Wandel. Von einem Tag auf den anderen. Manchmal schmeisst dich das Leben einfach auf den Boden. Du kannst nichts dagegen tun.

Ich war gerade soweit mein Business einen großen Schritt weiterzubringen: Eigene Geschäftsräume, eigene Werbeagentur, erste Mitarbeiter. Alles schon so weit geplant. Selbst der magentafarbene Teppich war geplant. Ja, es ist kein Zufall, dass ich jetzt Grün und Pink als Branding-Farben nutze 😉

Die Geschäftsräume hatte ich gemietet, einen Businessplan erstellt und den Termin bei der Bank für den Kredit vereinbart. Zum Glück war der noch nicht zur Stande gekommen!

Denn dann kam eines Tages der Anruf: „Verena, Papa ist im Krankenhaus. Schlaganfall.“

Ich lies alles liegen und fuhr ins Krankenhaus. Niemand konnte uns genaueres sagen. Alle taten in den ersten Tagen noch so, als würde alles gut werden.

Mir war schnell klar: Nichts würde gut werden.

 


Als ich mein Business so richtig gegen die Wand gefahren habe … oder hatte das Leben etwas anderes mit mir vor? 

Es wurde natürlich nicht alles gut. Mein Vater war von einem Tag 100% Schwerstbehindert. Ich und meine Mutter beschlossen ihn zu pflegen. Das ging über 3 Jahre so bis zum Tod durch einen extrem aggressiven Krebs.

Wie es mir in der Zeit ging? Das weiß ich nicht. Denn die Zeit hat sich ausgeblendet. Ich weiß allerdings eines: Nach dem Tod stand ich mit 27 Jahren mit einem Burnout, einem kaputten Unternehmen und Schulden da.

Ich selbst war mehr eine funktionierende Maschine, als ich selbst.

Mein Business war kaputt. Ich konnte einfach nicht mehr die starke Unternehmerin sein, die ich damals war.

Und es sollte bis vor einem Jahr dauern, bis ich wieder den Mut fand neu und bewusst loszugehen.

Die Schulden sind Vergangenheit, das Burnout ist geheilt und mein Business wächst. Und da ist diese neue andere Angst. Obwohl ich so vieles geschafft habe und ich mein Leben gerade absolut liebe, ist da eine Angst, die mich begleitet.

 


Die ständige Angst deine volle Größe zu leben

Kennst du das Zitat von Nelson Mandela? Unsere tiefste Angst ist nicht, daß wir unzulänglich sind, unsere tiefste Angst ist, daß wir unermeßlich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: „Wer bin ich eigentlich, daß ich leuchtend, hinreißend, begnadet und phantastisch sein darf?“

Weißt du was er meint und damit auch ich? Als ich vor über einem Jahr beschlossen habe wieder die leise Unternehmerin in mir zu finden, zu leben und zur vollen Stärke zu entwickeln, da kam direkt diese Angst hervor.

Doch ich verdrängte sie bis zum heutigen Tag, an dem ich mich dieser Frage wohl endlich stellen musste.

All das was ich hier tue ist ein Weg, den ich schon so lange gehe. Doch es fühlt sich diesmal anders an. Bewusster. Gezielter. Genau richtig. Emotionaler verbunden. Intensiver. Schöner. Wertvoller. Und noch so viel mehr.

Ich bin von der Grafikdesignerin zur Mentorin für introvertierte Unternehmerin gewachsen und zur Zeit gefühlt so sehr in meinem Element und auf meinem Weg, dass es mir Angst macht.

Verrückt oder?

Da musste ich erst einmal komplett fallen, um meinen Weg zu finden und dann habe ich ihn gefunden und er macht mir Angst.

Egal, wie selbstbewusst ich vielleicht für dich nach Aussen wirke, in mir ist einfach noch die Angst es doch durch irgendetwas wieder nicht zu schaffen. Mit schaffen meine ich gar nicht ein großes Ziel zu erreichen, sondern wieder diesen Weg, der mir so viel bedeutet, verlassen zu müssen.

 


Ich bin froh gescheitert zu sein und doch habe ich Angst vor dem neuen Licht.

Ja, ich kann heute sagen, dass ich froh bin damals gescheitert zu sein. Ich bin froh, dass ich diese Werbeagentur damals nicht eröffnen konnte und auch, dass mich dieser verrückte Weg des Lebens auf diesen neuen Weg geführt hat. Denn es fügt sich einfach so viel zusammen. Altes vermischt sich mit neuen Dingen und fügt sich zu einem neuen Puzzle zusammen. Die Teile passen. Kein Teil fehlt. Es wird farbenfroh und macht jeden Tag Spaß. Es erfüllt.

Doch die Angst zu scheitern ist genauso damit verbunden.

Vielleicht gehört es einfach dazu? Vielleicht ist es genau deswegen so wertvoll?