Ich war vor zwei Wochen mit meinem Mann in Marokko. Wir haben unsere Familie besucht. Da ich weder Marokkanisch, Arabisch, noch Französisch spreche, waren unsere Gespräche auf wenige Worte reduziert.

Mir fiel aber schon sehr früh auf, dass es gar nicht so viele Worte gebraucht hat, damit wir uns verstehen können. Wir haben ganz oft genau das gespürt, was die andere Person uns sagen wollte.

Natürlich hat mein Mann hin und wieder etwas übersetzt, doch im großen und ganzen konnte ich sogar so einiges von allem mitnehmen und erspüren, was gesprochen wurde.

Mir wurde mal wieder bewusst, wie wenig Worte ich wirklich brauche, um zu kommunizieren.


Viele Worte – trotzdem nichts wichtiges. 

Gestern habe ich ein Video gesehen in dem ich auf 4 Dinge gewartet habe, die mir am Anfang versprochen wurden. Nach 8 Minuten wurde immer noch etwas erzählt, was ich schon 6 mal gehört hatte. Doch ich hielt einfach einmal durch. Was würde dabei noch kommen?

Leider waren dann die wichtigen Punkte im Video eher unwichtig und für mich war alles verschwendete Zeit.

Das interessante war, dass viele Kommentare genau vom Gegenteil gesprochen haben. Die Menschen waren extrem begeistert vom Video. Mir hätte auch eine 30 Sekunden Zusammenfassung gereicht.

Es ist sehr oft so, dass ich lange Geschichten und Erzählungen von Menschen erzählt bekomme und mir denke: Das würde auch in einen Satz passen. Das Verhältnis von Worten und Inhalt passt nicht.

Beim Lesen fällt es mir auch ganz oft auf und ich frage mich, wie oft wir Sachen in die Länge ziehen, einfach um mehr zu schreiben, oder um mehr zu lesen. Ich gebe zu, dass ich das bei Blogbeiträgen auch sehr oft so gemacht habe. Einfach, damit die Wortanzahl stimmt.

Bei Unterhaltungen fällt es mir sehr oft noch deutlicher auf, da ich dann ab einem gewissen Zeitraum nicht mehr richtig zuhöre. Gerade bei Vorträgen oder Monologen wird es mir dann einfach zu lang. Mein Kopf schaltet sich dann ab und ich fange an in meine Gedanken zu flüchten.

Kennst du das auch?


Wenige Worte sind vielen zu wenig

Doch wenig sprechen und dabei wenige Worte zu nutzen ist für viele Menschen nicht ausreichend. Wie oft wurde dir schon gesagt: Nun sag doch mal mehr! Erzähl doch mal mehr!

Und du sitzt dort und spürst, wie sich deine Zähne immer mehr aufeinander pressen. Du hast einfach nicht mehr zu sagen. Für dich sind deine wenigen Worte absolut ausreichend. Aus deiner Sicht hast du alles gesagt, was gesagt werden musste.

Mir ging es schon sehr oft so: In mir drin spreche ich viel und habe ganz viele Worte für ein Erlebnis. Doch wenn ich es jemandem im Aussen erzähle reichen mir oft nur ein paar kurze Sätze. Das fühlt sich manchmal an, wie eine Sperre. Ich will gar nicht mehr erzählen. Manchmal auch, weil ich spüre, dass mein Gegenüber gar nicht so viel wissen möchte.

Dann spreche ich weniger. Verwende wenige Worte und komme doch irgendwie zum Ziel. Mein Gegenüber versteht mich trotzdem.

Doch es scheint so, als wären die wenigen Worte immer wieder zu wenig.

Sie wollen noch länger mit mir sprechen und mehr erfahren. Die Hintergrundinformationen aus mir heraus ziehen. Und das einzige was viele damit erreichen ist, dass ich mich noch mehr verschließe.


Das Gefühl jedes Wortes

Manchmal hat ein Wort alleine für mich schon so viel Kraft und Ausdruck, dass es einfach ausreicht. Denn hinter jedem Wort steckt für mich noch einmal so viel mehr Gefühl. Da ist einfach noch ganz viel Raum, den es einnimmt.

Diese Gefühle sind für einige Menschen nicht sichtbar. Ich denke deswegen wollen sie einfach mehr Worte hören. Das Gefühl beschrieben bekommen, was ich gerade mit dem einzelnen Wort ausdrücken will.

Und dann drängen sie nach mehr Worten, die für mich gar nicht nötig wären. Ich spüre es sogar in Unterhaltungen, wenn ich dann anfange das eine Wort mit anderen zu schmücken. Es fühlt sich unnötig an, ja manchmal sogar wie Zeitverschwendung.

Ich weiß, dass es sonst für andere vielleicht nicht sichtbar ist oder eher fühlbar, was ich spüre. Doch für mich ist es in dem Moment schon viel zu viel. Zu viel Gefühl und zu viele Worte.

Deswegen mag ich es, manchmal einfach nur ein Gedicht zu lesen. Die Worte wirken zu lassen. Zu spüren, welche Gefühle durch diese Worte fühlbar werden.


Um noch mal zum Anfang zurück zu kommen:

Ich saß also bei der Familie in Marokko. Sie konnten zum Größtenteil kein Wort Englisch und ich ihre Sprachen alle nicht. Wie haben wir uns unterhalten?

Nach der Begrüßung waren es eher Blicke, Lächeln, Gesten, die uns gegenseitig gezeigt haben was wir meinen. Wenn du keine Worte gebrauchen kannst, weil sie für dein Gegenüber gar keinen Sinn ergeben, fängst du an dir neue Wege zu suchen.

Damit wurde das Hinzeigen und darstellen von Gefühlen zu meiner normalen Aufgabe am Tag. Ich habe in der Zeit wenig gesprochen. (außer mit meinem Mann der dann alle Worte abbekam, die in mir schlummerten 😀 )

Allerdings wurde mir dabei wirklich wieder bewusst, wie wenig es manchmal braucht, um sich zu verständigen. Wie viel wir oft nutzen, um etwas zu sagen anstatt doch das Wesentliche in seiner Einfachheit zu sehen.

Hast du so etwas auch schon erlebt? Wie bist du damit umgegangen? Was fühlst du, wenn dir Menschen sagen: Nun sag doch mal was! 😉 Schreib es mir in die Kommentare und lass uns darüber sprechen. 🙂

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2019-07-08T13:34:53+00:00Categories: Blog, Erkennen, Introvertiert|Tags: , , |0 Comments

About the Author:

Ich bin übrigens Verena, Gründerin von wominess und den Silentpower-Ladies. Wenn du mich kennenlernst entdeckst du eine leise und sensible Frau, mit kreativen Gedanken die leuchtend durch sie durchrauschen. Dieser Satz beschreibt mich wohl am besten.

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